veröffentlicht am 23.12.2025

Mit Herz und Wissen durch den Spessart

Seit 25 Jahren Ausbildung Zertifizierte Natur- und Landschaftsführer*innen

Aktivitäten in der Natur wirken sich nachweislich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus: Sie stärken das Immunsystem, fördern die innere Balance und helfen beim Abbau von Stress. Geführte Wanderungen und Exkursionen mit qualifizierten Fachpersonen ermöglichen darüber hinaus, Natur und Landschaft bewusst wahrzunehmen und die Besonderheiten einer Region intensiver kennenzulernen.

Vor diesem Hintergrund bildet der Naturpark Hessischer Spessart seit nunmehr 25 Jahren Natur- und Landschaftsführer*innen aus. Die Erfolgsgeschichte begann im November 1999, als der Naturpark gemeinsam mit der Ehrenamtsagentur des Main-Kinzig-Kreises den ersten Ausbildungslehrgang zum Waldführer ins Leben rief. Im August 2000 legten die Teilnehmenden ihre Prüfungen ab. Bei einer feierlichen Zertifikatsübergabe am 7. September 2000 vor der Kulisse der Klosterruine Hanau-Wolfgang erhielten 18 Frauen und Männer ihre Urkunden aus den Händen des damaligen Naturparkvorsitzenden Günter Frenz und des Geschäftsführers Mathias Schlote, der die Projektidee von einer Fachtagung im Harz mitgebracht hatte.

In zwölf Unterrichtseinheiten wurden die angehenden Waldführer*innen umfassend auf ihre Aufgaben vorbereitet. Der Lehrplan umfasste unter anderem Erste Hilfe, Wald- und Naturschutz, Tier- und Pflanzenkunde, Reptilien im Wald, Erlebnispfade sowie den Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Noch im selben Jahr startete ein zweiter Lehrgang, 2001 folgte die dritte Ausbildungsrunde. Weitere Lehrgänge fanden 2007, 2012, 2018 und zuletzt 2024 statt – jeweils unter der Trägerschaft des BANU (Bundesweiter Arbeitskreis der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz).

Ein besonderes Beispiel für kontinuierliches Engagement ist Michael Stange aus Bad Orb. Er ist der einzige Teilnehmer des ersten Lehrgangs, der seit 25 Jahren aktiv Naturführungen anbietet. Der heute 72-Jährige hatte damals aus der Zeitung von der Ausbildung erfahren. „Es ist unendlich, was die Natur zu bieten hat“, sagt er begeistert. Vor allem seine Faszination für geologische Zusammenhänge motivierte ihn, eigene Führungen zu entwickeln. Rund 60 thematisch unterschiedliche Touren hat er im Laufe der Jahre ausgearbeitet, darunter auch beliebte Wanderungen auf dem Premiumfernwanderweg Spessartbogen. Ergänzt wird sein Angebot durch Bildervorträge. Seine Leidenschaft teilt er mit seiner Frau Inge, die seit 2012 ebenfalls zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin im hessischen Spessart ist.

Von Stanges langjährigem Erfahrungsschatz profitierten auch die Teilnehmenden der jüngsten Ausbildungslehrgänge.

Die Bedeutung der Arbeit der Naturparkführer*innen wurde 2015 mit dem Umweltpreis des Main-Kinzig-Kreises gewürdigt. In der Laudatio wurde hervorgehoben, dass sie Menschen jeden Alters für die Schönheit, Vielfalt und Schutzbedürftigkeit des Spessarts sensibilisieren.

Insgesamt haben in den vergangenen 25 Jahren über 100 Personen die ZNL-Prüfung abgelegt. Derzeit sind mehr als 60 von ihnen aktiv tätig, bieten regelmäßig Naturparkführungen an oder unterstützen den Naturpark bei Fortbildungen und öffentlichen Veranstaltungen.

Zertifizierte Natur- und Landschaftsführer*innen verstehen sich als Botschafter*innen ihrer Region. Sie vermitteln nicht nur fundiertes Wissen, sondern machen Natur, Landschaft sowie regionale Geschichte und Kultur erlebbar – verbinden sozusagen "Education und Entertainment". So begeistern sie Einheimische wie Gäste für das Natur- und Kulturerbe und stärken das Verantwortungsbewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit.

„Vielleicht tragen wir dazu bei, dass die Welt ein kleines bisschen besser wird“, blickte Lehrgangsleiterin Kerstin Sauermann am Ende der jüngsten Ausbildungsrunde hoffnungsvoll in die Zukunft.

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