NATUR UND KULTUR
Der Naturpark Spessart stellt sich vor...
Die Eiche - Baum des Spessarts
«Spechtshardt» oder Spechtwald nannte sich das Waldgebiet zwischen Aschaffenburg und Lohr, zwischen Miltenberg und Bad Orb im 9. Jahrhundert und verdankt bis heute seine Existenz der Jagdleidenschaft deutscher Kaiser. Die nämlich haben Siedlungen im Wald verboten und verhinderten die Rodungen.
So ist der Spessart heute noch ein Land der bunten Wälder und immer noch schwingt ein Hauch von Spuk- und Räuberromantik mit. Der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ in den Sechzigern und die Märchen von Hauff und den Gebrüdern Grimm tragen dazu bei.
Holzkohle und Pottasche für die Glasherstellung, Waldweise mit Schweinen, Holz zum Sieden des Salzes in Bad Orb, Reisig für das Gradierwerk, in dem man durch Verdunstung den Salzgehalt der Sole erhöhte, Laub für die Einstreu im Viehstall, all das auf den humusarmen Böden des Sandsteines führte zwangsläufig zu einem Rückgang der Wälder und einer Verarmung der ohnehin nährstoffarmen Böden. Die Wiederaufforstung glückte zunächst nur mit den genügsamen Kiefern, Lärchen und Fichten quasi als Zwischenfrucht. So präsentiert sich der Wald heute in seiner buntesten Erscheinung.
Schwarzspecht
Doch was dem einen „sin Uhl is dem annern sein Nachtigall“ Die Kiefern-Altholzbestände ermöglichten durch das viele Licht am Boden das Gedeihen des Heidelbeerkrautes und darin fand das Auerwild seine optimalen Lebensbedingungen. Inzwischen sind die Auerhühner ausgestorben, weil immer weniger Beerkraut zu finden ist. Die Fichten-Nadelforste sagen dem Tannenhäher, dem Rauhfußkauz und dem Schwarzspecht zu und solange immer genügend junge Fichtenpflanzungen vorhanden sind überlebt die Kreuzotter ohne Not, von denen übrigens nicht ein einziger Fall eines Bisses berichtet wird.
Wie die Ortschaft Bieber in Biebergemünd im Namen verrät, waren die größten europäischen Nager wohl bereits früher einmal in dieser Gegend beheimatet, wenngleich sie auch in ihrem Namen das eine „e“ eingebüßt haben. Die Nager nagen wieder an den bachbegleitenden Weiden und das in stattlicher Zahl von ca 200 Exemplaren, von denen einst 18 Stück aus der Dübener Heide an der Elbe (ehemals DDR) importiert wurden. Heute ist außerordentlich spannend, wie sie die Landschaft klein und kleinstflächig „renaturierern“ und wie der Zyklus aussieht, wenn der Biber zum zweiten oder dritten mal die Gegend besiedelt. (Der Naturpark bietet unter fachkundiger Leitung Führungen zum Biber an).
Wie die Biberfamilien heute Bewässerung mit Staudämmen vollbringen, hat der Mensch in einem beinahe vergessenen Landnutzungssystem in zäher Handarbeit die Jossa angestaut und das Wasser über die Wiesen geleitet. „Wässerwiesen“, wie sie hießen, befinden sich zwischen Marjoß und Mernes, Marjoß und Jossa und flußabwärts an der Sinn. Die Wiesen waren von Buckeln durchzogen, auf deren Rücken das Wasser auf die Wiese und in derer Mulden das Wasser von der Wiese wieder abgeleitet wurde. Drei Naturbeobachtungen machte man sich dabei zu Nutze:
- Wässern verbessert das Kraut- und Graswachstum.
- das zum Vergleich mit dem Erdreich wärmere Wasser verschafft den Pflanzen im Frühjahr ein Vorsprung.
- organische und mineralische Nährstoffe im Wasser sorgen für die Düngung.
Schachblumen im Sinngrund
Die Schachblume widerum verdankt ihre Verbreitung im Spessart diesem Wässersystem.
Wegen des Orchideenreichtums und anderer seltener Pflanzen um Schlüchtern, Steinau und Sinntal auf den Muschkalk-Magerrasen kommen viele Besucher in den nördlichen Teil des Naturparkes. Mit der Blüte der Nieswurz, dem Märzenbecher und der Küchenschelle beginnt der Reigen im zeitigen Frühjahr und 21 Orchideenarten folgen zwischen Ende April und Ende August.
Wanderwege im Langen
Grund bei Lettgenbrunn
Doch auch viele markierte Wanderwege, z.Tl. auf historischen Straßen, wie dem „Eselsweg“ und der „Birkenhainer Straße“ führen den Besucher, wenn gewünscht auch mit Gepäcktransport, kreuz und quer durch das Größte Laubwaldgebiet Deutschlands und wer einen Fluß in seinen ursprünglichen Schleifen wie nach der letzten Eiszeit sehen will, der kann sich im Frühjahr aufmachen und in der „Bulau“ bei Hanau ein Stück Natur entdecken, wie man es erst wieder in Skandinavien oder Nordamerika zu sehen bekommt. Eine Blütenpracht von Schlüsselblumen, Lärchensporn, Weidenröschen und Bärlauch, Mittelspechtquäken und Kleinspechtbalzruf empfangen Frühjahr und Besucher.
Ein einziges junges Flachmoor beherbergen die Höhen am Rande des bayerischen Spessarts, das Wiesbüttmoor, wo Wald- und Siedlungsgeschichte durch Pollenanalysen offen liegen.
Der Drei-Burgenweg zeigt in Schwarzenfels, an der Steckelburg und Burg Brandenstein eine Abfolge mehrerer Jahrhunderte Burgenbau, das Mühlental stellt die Verbindung zum Vogelsberg her, die "Bieberer Acht" zeigt Einblicke in den Bergbau, der Schneewitchen-Wanderweg verknüpft den Bergbau mit dem Märchen (die "Zwerge" waren vermutlich Kinder im Bergbau), traditionelle Forstwirtschaft, Wilderei, Töpferei, Spiegel- und Glasherstellung und vieles mehr zeigt das Museum in Lohr am Main auf der bayerischen Seite des Naturparkes Spessart.
Kaiserpfalz in Gelnhausen
Die Kaiserpfalz von Barbarossa in Gelnhausen, das Gebrüder Grimm Museum in Steinau a.d. Straße, die alte Leipziger Straße, eine Handelsstraße zwischen Frankfurt am Main und Leipzig, Ullrich von Hutten-Schloß, Schloß Ramholz, der Hof Trages mit Bettine von Arnim, Warttürme das Hufeisen und vieles mehr beherbergen geschichtliche Kunde, Familien zieht es vielleicht mehr zum Erlebnispark bei Steinau.
Zu sehen und erleben gibt es viel, manches erschließt sich erst durch örtliche Führungen, sei es durch die in historischen Kleidern und in historischer Sprache geführten Stadtwanderungen, sei es durch die Führungen in der Landschaft mit den Naturparkführern unseres Verbandes.
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